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Sonstiges Fahrzeug Der Katastrophenzug

Neben den Lokomotiven verfügt der Verein auch über einen einmaligen Zug, den sogenannten Katastrophenzug. Dabei handelt es sich um den Kern eines Hilfszuges, der offiziell für den Einsatz bei Naturkatastrophen (daher der Name) oder schweren Unglücken zur Versorgung Kranker oder Verletzter eingesetzt werden sollte. In Wirklichkeit wurden diese Züge, von denen es 14 in der ehemaligen DDR gab, jedoch insbesondere bei großen Manövern der Warschauer Vertragsstaaten in der DDR als mobiles Lazarett benutzt. Darüber hinaus fuhren sie regelmäßig in den Truppentransporten der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland zwischen Beelitz-Heilstätten und Brest, um verletzte oder erkrankte Soldaten in die Heimat zu befördern. Der in Wittenberge erhaltene ist der letzte funktionsfähige dieser Art.

Unser Zug wurde in den Jahren 1975/76 aus vierachsigen Reisezugwagen der Gattung Bghw umgebaut und unterstand, wie auch die anderen dreizehn, offiziell der Hauptverwaltung Maschinenwirtschaft der Deutschen Reichsbahn in Berlin. Den Unterlagen ist jedoch zu entnehmen, dass Offiziere der NVA über seine Einsätze bestimmten.

An Bord des Zuges waren ständig vier Eisenbahner, die die Wagen zu betreuen und funktionsfähig zu erhalten hatten. Während der Einsätze kamen noch diverse Ärzte, Krankenpfleger, Köche, Küchenhilfen und sonstige Helfer zum Einsatz. Leider haben wir keine Informationen, um wie viele Personen es sich hier handelte.

Insgesamt bestand so ein Zug aus zwei Bettenwagen, in denen dreistöckige Etagenbetten aufgebaut waren, einem Vorratswagen (in dem sich unter anderem auch Zelte zur Aufnahme weiterer Verletzter befanden), einem OP-, einem Küchen- und einem Maschinenwagen. Zusätzlich verfügte die HV Maschinenwirtschaft noch über insgesamt sechs Versorgungswagen, die - zentral von Berlin aus disponiert - immer zu den Zügen befohlen wurden, die gerade im Einsatz waren.

Unser Zug, von dem wir Ihnen den OP-, Küchen- und Maschinenwagen präsentieren können, war Zeit seines kurzen Einsatzlebens in Jerichow stationiert und fand sich Anfang der neunziger Jahre in Salzwedel zum Verschrotten ein, wovor wir jedoch die drei wichtigsten Wagen bewahren konnten. Doch machen wir einen kleinen Rundgang durch die Fahrzeuge:

Zunächst besteigen wir den Küchenwagen und befinden uns zunächst in einem Vorraum, in dem ein großer Dampfheizkessel steht. Dieser diente einerseits dazu, den Wagen und den ganzen Zug zu heizen, andererseits aber auch, um zwei der drei großen Kochmulden mit Heizdampf zu versorgen.

Hinter dem Kessel schließt sich ein kleiner Raum an, in dem das Geschirr gereinigt und mit Heißluft getrocknet wurde. Von diesem Raum blickt man in die Großküche, in dem sich ein achtflammiger Herd und drei große Kochmulden befinden. Insgesamt hat die Einrichtung eine Kapazität, um 800 Portionen Eintopf- plus 50 Diätessen gleichzeitig zuzubereiten. Hinter dem Kochraum befindet sich die Essenszubereitung mit großen Kühlzellen, Anrichten, Kartoffelschälmaschinen usw.


Der Küchenwagen von außen.


Der Küchenwagen von außen.


Küchenanlage im Küchenwagen


Der OP-Wagen ist sicherlich der gruseligste in der gesamten Sammlung. Hier betritt man zunächst einen gekachelten Raum, in dem die Verletzten ihrer Kleidung entledigt und gereinigt wurden. Dahinter schließt sich der OP-Raum an, der mit einem OP-Tisch nebst der dazugehörigen Leute, Beatmungsgeräten und überhaupt allen notwendigen medizinischen Geräten ausgestattet ist, die man für die Notfallversorgung benötigt. Weiter schließt sich ein kleiner Raum an, in dem die OP-Materialien gelagert wurden und Gegenstände sterilisiert werden konnte. Zuletzt befindet sich noch eine Apotheke im Wagen.


Der OP-Wagen von außen.


Operationstisch im OP-Wagen


Der Maschinenwagen bietet zunächst eine Kabine für die bereits oben erwähnten vier Mann Besatzung des Zuges, die hier auch schlafen konnten. Daneben befindet sich ein kleiner Raum, in dem der Maschinenleitstand und eine kleine Werkstatt kombiniert sind. Hinter einer schallisolierten Tür befindet sich das Herzstück des Wagen, der Generatorraum. Hier sind zwei 4-Zylinder-Dieselaggregate aufgestellt, die den gesamten Zug und die dazugehörige Zeltstadt mühelos mit Strom versorgen konnten. Alle Einrichtungen des Wagen wie des gesamten Zuges sind nach wie vor funktionsfähig.


Der Maschinenwagen von außen.


Maschinenanlage im Maschinenwagen


Der Begleiterwagen
Der Wagen mit der Nummer 67 50 99-48 164-9 wurde 1986 im Ausbesserungswerk Halberstadt aus einem Reisezugwagen der Gattung Bghw umgebaut. Er diente als Unterkunft für das Begleitpersonal der Deutschen Reichsbahn für den K-Zug, der wie oben schon berichtet, verletzte russische Soldaten gen Heimat beförderte. Der Wagen war dem Bahnbetriebswerk Seddin zuordnet. Er befand sich bis 1993 im Bestand der Deutschen Reichsbahn und wurde dann an die Magdeburger Eisenbahnfreunde e.V. verkauft, die ihn im Magdeburger Hafen abstellten. Vor einigen Jahren konnte er nach Wittenberge übernommen werden.

Der Wagen verfügt über vier Schlafabteile mit Doppelstockbetten, einen Aufenthaltsraum, eine kleine Küche sowie ein Badezimmer mit Toilette und Dusche. Den Wagen kann man mit Dampf von der Zuglok beheizen, mit einem eigenen Kohleofen oder elektrisch.


Der Begleiterwagen von außen.


Ein Abteil im Begleiterwagen.

Dampflokfreunde Salzwedel e.V. Am Bahnhof 6, 19322 Wittenberge

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